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22.09.2026

Daniel Neumann legt Amt beim Hessischen Rundfunk nieder

Darmstadt

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinden in Hessen tritt von seinem Amt im Aufsichtsrat der HR-Werbung zurück. Er wirft dem Sender vor, sich nach dem Zweiten Weltkrieg „auf jüdische Kosten bereichert“ zu haben.


Daniel Neumann, der Vorsitzende des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden in Hessen, legt sein Amt im Aufsichtsrat der HR-Werbung nieder. Der Rechtsanwalt protestiert damit gegen das Verhalten des Hessischen Rundfunks (HR) gegenüber der jüdischen Loge B’nai B’rith aus Frankfurt. Die Loge wirft dem Sender vor, er habe für ein Grundstück der Loge, das während der NS-Zeit enteignet wurde, eine zu geringe Entschädigung gezahlt. Das Grundstück an der Eschersheimer Landstraße hat der HR nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erhalten und später an die Stadt Frankfurt verkauft.

Neumann wirft dem Sender in einem Brief, der der F.A.Z. vorliegt, eine „mangelnde Bereitschaft, sich der historischen und moralischen Verantwortung zu stellen“, vor. Die Loge sei durch den HR „für ihr arisiertes Eigentum unzureichend entschädigt“ worden. Die vorliegenden Dokumente würden zeigen, dass sie „klar benachteiligt“ wurde. Der Sender habe „sich auf jüdische Kosten bereichert“ – und weigere sich nun, dafür Verantwortung zu übernehmen. Darum sehe er sich „nicht mehr in der Lage, mein Mandat im Aufsichtsrat der HR-Werbung wahrzunehmen“.

Neumann, der auch Mitglied im Präsidium des Zentralrats der Juden in Deutschland ist, hat den HR bereits in der vergangenen Woche in der „Jüdischen Allgemeinen“ scharf kritisiert. Die HR-Werbung ist eine Tochtergesellschaft des Senders und für die Vermarktung von Werbezeiten zuständig. Dem Sender ist Neumann schon lange verbunden, von 2013 bis 2024 war er Mitglied des HR-Rundfunkrates. Die jüdische Loge B’nai B’rith hat den HR erstmals 2024 mit ihren Vorwürfen konfrontiert. Sie wirft dem Sender „Vertuschung“ und „Verzögerung“ vor.